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Grabung in Prado, Nordspanien

Die PräGes unterstützt die Untersuchung einer jungpaläolithischen Freilandfundstelle in Prado, Nordspanien.

Geoarchäologische Untersuchungen an der  jungpaläolithischen Freilandstation Prado - Ein Zwischenbericht

In Kooperation mit der Prähistorischen Gesellschaft Köln e.V. konnte die Universität des Baskenlandes im September 2014 eine Ausgrabung an der Fundstelle Prado in Nordspanien realisieren, von der an dieser Stelle kurz berichtet werden soll. Prado liegt nahe dem Conchas de Arganzón, einem noch heute viel frequentiertem  Gebirgsdurchgang von der alavesischen Hochebene in das Ebrotal und das spanische Kernland (s. Karte).  Darüber hinaus ist Prado nur wenige Kilometer von der Sierra de Araico und deren qualitativ hochwertigen Feuersteinlagerstätten entfernt. Neben dieser strategisch günstigen Lage resultiert die Relevanz der Fundstelle vor Allem aus der Tatsache, dass es sich hierbei um eine von aktuell nur sieben bekannten Freilandfundstellen des Jungpaläolithikums in Nordspanien handelt. Diese kleine Gruppe weist interessanterweise zumeist ein, von den gut erforschten Höhlenfundplätzen abweichendes, Muster von funktional spezialisierten und nur kurzfristig genutzten Lagerplätzen auf. Auch Prado kann dem lithischen Inventar nach als spezialisierter workshop interpretiert werden, in dem vor allem eine Initialisierung und erste Zurichtung des lokal akquirierten Feuersteins durchgeführt wurde.

Entdeckt wurde der Fundplatz von  J. A. Madinabeitia und T. Urigoitia im Januar 1999 während Konstruktionsarbeiten zum Bau einer Tankstelle. Insgesamt konnten über 1800 Steinartefakte geborgen werden. Diese liegen in einer Fundschicht von 5- 10 cm, die wiederum in ein Schichtpaket von Feinsedimenten eingebettet ist. 2005 wurden diese Daten zusammen mit einer ersten Analyse des lithischen Inventares vorgelegt, in dem die Autoren die Belegung aufgrund typologischer und technologischer Gemeinsamkeiten in die Zeit des Gravettien datieren konnten (Saénz de Buruaga et al. 2005). Dieser Interpretation können auch wir nach erster Sichtung des Materials der Rettungsgrabung hinsichtlich chaîne opératoire (s. Klingenkern), Patinierung und Funktion folgen.

                                   

Obwohl durch die Baumaßnahmen große Teile der bekannten Fundstelle zerstört wurden, haben mein Kollege Aitor Calvo und ich aufgrund der Relevanz der Fundstelle Mitte 2013 mit der Planung von Feldarbeiten für das 2014 begonnen. Diese sollten mehreren Zielen dienen:

- Klärung der Ausdehnung der Fundstreuung

- Untersuchung d. Erhaltungsbed. potentiell erhaltener Bereiche d. Fundstelle

- Gewinnung von Probenmaterial zur radiometrischen Datierung der Fundstelle

Um diese Ziele zu erreichen, begann im September eine drei wöchige Ausgrabung, die durch Mitarbeiter/innen und Studenten/innen der Universität des Baskenlandes und einer Studentin vom Institut für Ur- und Frühgeschichte Köln unterstützt wurde. Für die Untersuchung wurde das agrarwirtschaftlich verwendete Feld nördlich der Tankstelle gewählt, wo insgesamt vier Ausgrabungsschnitte von zwei bis neun Quadratmetern Fläche angelegt wurden. Deren Resultate konnten durch flankierende Bohrsondagen in unmittelbarer Umgebung ergänzt werden. Ausgewählt wurde dieser Bereich, weil dort bei einer Oberflächenbegehung im Frühjahr Feuersteinartefakte dokumentiert werden konnten und er der bekannten Verteilung am nächsten liegt. Mögliche Probleme aufgrund fluviatiler Verlagerungen des nördlich gelegenen Zadorra, konnten wir zum Zeitpunkt der Planung aufgrund der verfügbaren Daten ausschließen (s. Karte). 

Zusammenfassend sei gesagt, dass die Ausgrabung aufgrund der zumeist guten Wetterbedingungen und hohen Motivation der Teilnehmer zügig voran kam. Und da die Untersuchung von Freilandfundstellen generell eine eher untergeordnete Rolle im Portfolio des spanischen Departments spielt, war auch die spanisch-deutsche Kooperation hinsichtlich spezifischer Fragestellungen zur Ausgrabungstechnik und Dokumentation äußerst fruchtbar.

Da große Teile der Auswertung noch nicht abgeschlossen sind, können wir an dieser Stelle leider noch keine wissenschaftlichen Ergebnisse präsentieren. Da wir jedoch auch im nördlichen Abschnitt die in der Fundstelle beschriebene stratigraphische Abfolge nachweisen konnten, planen wir für das Frühjahr 2015 eine weitere, umfangreichere Kampagne zur Untersuchung ungestörter Flächenabschnitte auf dem Gelände der Tankstelle. Erste Resultate können wir euch hoffentlich während des geplanten Vortrages am Grünen Tisch im Frühjahr 2015 präsentieren, wo es dann auch mehr Informationen zum Planungsstand 2015 geben wird.

Un Saludo

Marcel Bradtmöller und Aitor Calvo

 

Weiterführende Literatur:

Sánz de Buruaga et al. 2005: A. Sánz de Buruaga, M. Garcia & I. Retolaza Arrieta, Aproximación a la interpretación tecno-tipológica del conjunto industrial de tradición gravetiense de Prado (Burgeta, Araba), Estudios de Arqueología Alavesa 2005, 1695.